Robinienholz verstehen: Gerbstoffe, Haltbarkeit und Auswaschung
Gerbstoffe – auch Tannine genannt – sind nicht nur für Pflanzen, sondern auch für Holz ein entscheidender Faktor. Sie schützen das Material vor Schädlingen, Pilzbefall und Witterungseinflüssen und machen bestimmte Holzarten wie Robinienholz - verwendet für Spielgeräte auf Kinderspielplätzen - besonders langlebig. In diesem Blog wird über die Wirkung von Gerbstoffen berichtet, ihre Rolle in der Holzverarbeitung und wie Verfärbungen durch Auswaschung vermieden werden können.
Gerbstoffe sind eine spannende chemische Komponente im Holz, die sowohl für die Natur als auch für die industrielle Nutzung eine wichtige Rolle spielt. Hier ein Überblick:
1.1 Was sind Gerbstoffe?
Gerbstoffe (Tannine) sind natürliche, wasserlösliche Polyphenole, die in vielen Pflanzen vorkommen – insbesondere in Rinde, Blättern, Früchten und eben auch im Holz. Sie gehören zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe und haben unterschiedliche Funktionen.
1.2 Wo kommen Gerbstoffe vor?
In Holz sind Gerbstoffe vor allem in bestimmten Baumarten konzentriert. Besonders hohe Konzentrationen findet man in:
- Eichenholz (Quercus spp.) – Besonders in der Rinde und im Kernholz enthalten.
- Kastanienholz (Castanea sativa) – Wird oft zur natürlichen Holzkonservierung genutzt.
- Akazienholz/Robinienholz – Verwendet zur Gewinnung von Tanninen für die Lederherstellung.
- Tropenhölzer – Manche Arten besitzen hohe Mengen an Gerbstoffen als Schutzmechanismus.
1.3 Warum sind Gerbstoffe im Holz?
Gerbstoffe erfüllen mehrere ökologische Funktionen:
- Schutz vor Schädlingen & Pilzbefall – Die antibakterielle und fungizide Wirkung der Gerbstoffe schützt das Holz vor Zersetzung.
- UV- und Witterungsschutz – Gerbstoffe tragen zur natürlichen Haltbarkeit des Holzes bei.
- Abwehr von Pflanzenfressern – Bittere Tannine machen Holz für viele Insekten und Tiere ungenießbar.
1.4 Was bewirken Gerbstoffe in der Nutzung von Holz?
- Farbveränderung: Holz mit hohem Gerbstoffanteil kann sich durch Oxidation verfärben (z. B. Eiche wird durch Kontakt mit Eisen dunkel).
- Reaktion mit Metallen: Gerbstoffe reagieren mit Eisen und bilden schwarze Flecken, was in der Möbelherstellung berücksichtigt werden muss.
- Widerstandsfähigkeit gegen Verrottung: Hölzer mit hohem Gerbstoffanteil sind besonders langlebig, auch ohne chemische Imprägnierung.
- Nutzung in der Lederindustrie: Gerbstoffe werden zur traditionellen Ledergerbung eingesetzt.
- Wein- und Whiskyfasslagerung: Die Tannine im Holz (z. B. Eichenfässer) beeinflussen Geschmack und Reifung von Spirituosen und Weinen.
1.5 Gerbstoffe und Nachhaltigkeit
Da Gerbstoffe natürliche Holzschutzmittel sind, gewinnen sie in der nachhaltigen Holzverarbeitung an Bedeutung. Die Verwendung von Gerbstoffhaltigem Holz kann helfen, chemische Schutzmittel zu reduzieren und ökologische Bauweisen zu unterstützen.
Fazit:
Das Wissen über Gerbstoffe hilft, Kunden die Eigenschaften und Vorteile bestimmter Holzarten besser zu erklären. Besonders für langlebige und nachhaltige Holzprodukte sind sie ein zentrales Verkaufsargument.

2. Robinienholz und Gerbstoffe – Eigenschaften, Verarbeitung und Verwendung
Robinienholz (Robinia pseudoacacia) ist bekannt für seinen hohen Gerbstoffanteil, was es besonders widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse macht. Doch dieser hohe Gerbstoffgehalt bringt sowohl Vorteile als auch Herausforderungen in der Verarbeitung und Nutzung mit sich.
2.1 Gerbstoffgehalt der Robinie – Was bedeutet das?
Robinienholz gehört zu den gerbstoffreichsten heimischen Hölzern und enthält Tannine, die sich positiv auf seine natürliche Widerstandsfähigkeit auswirken. Diese Gerbstoffe sorgen für:
- Hohe Resistenz gegen Pilze und Insekten → Robinie ist ohne chemische Behandlung extrem langlebig.
- Wasserabweisende Eigenschaften → Eignet sich besonders gut für Außenanwendungen.
- Hervorragende Wetterbeständigkeit → Vergleichbar mit Tropenhölzern, daher ideal für Spielplatzgeräte und Außenmöbel.
- Natürlichen Holzschutz → Kein zusätzlicher Holzschutz notwendig, da die Gerbstoffe konservierend wirken.
2.2 Auswirkungen auf die Verarbeitung
Während die hohe Gerbstoffkonzentration viele Vorteile für die Haltbarkeit bietet, gibt es einige Herausforderungen in der Verarbeitung:
Holzmechanische Verarbeitung
- Harter Werkstoff: Robinienholz ist sehr dicht und hart, wodurch es schwerer zu sägen und zu hobeln ist. Scharfe Werkzeuge sind ein Muss.
- Werkzeugabnutzung: Der hohe Gerbstoffanteil kann das Abnutzen von Schneidwerkzeugen beschleunigen, insbesondere wenn diese nicht speziell für Hartholz ausgelegt sind.
- Reaktion mit Metallen: Gerbstoffe reagieren mit Eisen und anderen Metallen, was zu schwarzen Flecken auf der Holzoberfläche führen kann. → Empfehlung: Edelstahl- oder feuerverzinkte Schrauben verwenden.
- Leimverhalten: Die Gerbstoffe können die Klebeverbindungen beeinflussen. Hochwertige Polyurethan- oder Epoxidharz-Leime sind zu bevorzugen.
Oberflächenbehandlung
- Ölen oder Lasieren?: Aufgrund der hohen Dichte nimmt Robinienholz Lasuren und Öle nur schwer auf. Offenporige Lasuren, wie wir sie verwenden gelten als am Geeignetsten
- Verfärbung: Durch Witterungseinflüsse und UV-Strahlung entwickelt Robinienholz eine silbergraue Patina. Wer die natürliche Farbe erhalten möchte, sollte es regelmäßig mit UV-beständigen Ölen behandeln.
2.3 Verwendung von Robinienholz
Dank seiner hervorragenden Eigenschaften wird Robinie in vielen Bereichen eingesetzt:
- Spielplatzgeräte & Outdoor-Möbel: Wegen der hohen Dauerhaftigkeit ideal für Kinderspielplätze und Parkbänke.
- Terrassen- und Fassadenbau: Lange Lebensdauer ohne chemische Behandlung macht Robinie zur nachhaltigen Alternative zu Tropenhölzern.
- Wein- und Spirituosenfässer: Gerbstoffe verleihen dem Inhalt eine besondere Note, ähnlich wie Eichenfässer.
- Bootsbau & Wasserbau: Aufgrund seiner hohen Feuchtigkeitsresistenz auch für Stege oder Hafenanlagen geeignet.
Fazit – Vorteile für die Praxis
- Robinie ist ein nachhaltiges, heimisches Hartholz mit extrem hoher Widerstandsfähigkeit.
- Durch die Gerbstoffe ist kein chemischer Holzschutz nötig, aber die Verarbeitung erfordert spezielle Techniken.
- Für die Verbindungstechnik sollten rostfreie Materialien verwendet werden, um Verfärbungen zu vermeiden.
- Die natürliche Vergrauung kann durch regelmässige Pflege hinausgezögert werden.

3. Auswaschbarkeit von Gerbstoffen in Robinienholz – Auswirkungen und Dauer
3.1 Warum werden Gerbstoffe ausgewaschen?
Gerbstoffe (Tannine) sind wasserlösliche Pflanzenstoffe, die sich unter Witterungseinfluss aus dem Holz lösen können. Besonders bei neuem oder frisch bearbeitetem Holz kann das passieren, da die Gerbstoffe noch nicht vollständig „fixiert“ sind. Der Prozess wird durch Regen oder hohe Luftfeuchtigkeit beschleunigt.
3.2 Auswirkungen der ausgewaschenen Gerbstoffe
- Verfärbung von angrenzenden Oberflächen
- Gerbstoffhaltiges Wasser kann helle Materialien wie Beton, Naturstein, Fassaden oder Böden dauerhaft verfärben.
- Besonders empfindlich sind poröse Untergründe wie Kalkstein oder unbehandelter Beton.
- Reaktion mit Metallen
- Eisenhaltige Materialien reagieren mit Gerbsäuren und bilden schwarze Flecken oder Rostverfärbungen.
- Veränderung der Holzoptik
- Das Holz selbst kann durch die Auswaschung etwas aufhellen, bevor es sich stabilisiert und durch UV-Strahlung eine natürliche Vergrauung einsetzt.
- Wasserlösliche Gerbstoffe können Rinnsal artig an Pfosten und Skulpturen herunterlaufen
- Gerbstoffe können durch weiß gestrichene Flächen immer wieder schleierhaft durchscheinen
3. Wie lange hält die Auswaschung an?
Die Dauer der Auswaschung hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Intensität der Bewitterung: Bei starkem Regen kann der Prozess schneller abgeschlossen sein (ca. 3–6 Monate).
- Holzoberfläche: Frisch geschnittenes Holz setzt mehr Gerbstoffe frei als bereits verwittertes oder geöltes Holz.
- Schutzmassnahmen: Wenn das Holz nicht direkt dem Regen ausgesetzt ist, kann die Gerbstoffauswaschung über mehrere Jahre hinweg in geringen Mengen stattfinden.
In der Praxis kann man davon ausgehen, dass die stärkste Auswaschung innerhalb der ersten 6 bis 12 Monate stattfindet. Danach stabilisiert sich der Prozess, und das Holz gibt kaum noch Gerbstoffe ab.
4. Wie kann man Verfärbungen vermeiden?
- Vorsorgemaßnahmen bei der Montage:
- Neue Robinienhölzer vor der Installation mit Wasser „vorauswaschen“ oder einer Witterung überlassen.
- Abflüsse so leiten, dass ausgewaschene Gerbstoffe keine empfindlichen Flächen berühren.
- Materialschutz für angrenzende Flächen:
- Helle Stein- oder Betonflächen schützen oder vorbehandeln (z. B. mit Imprägnierung).
- Edelstahl- oder verzinkte Befestigungen statt normalem Stahl verwenden.
- Vorbehandlung des Holzes:
- Eine Öl- oder Lasurbehandlung kann die Gerbstofffreisetzung verzögern, verhindert sie aber nicht vollständig.
- Alternativ kann das Holz vor der Endmontage mehrere Wochen an der Witterung vorgelagert werden.
Fazit: Robinienholz – Gerbstoffauswaschung ist ein vorübergehendes Phänomen
- Die stärkste Auswaschung geschieht in den ersten 6 bis 12 Monaten, danach stabilisiert sich das Holz.
- Verfärbungen lassen sich vermeiden, indem man angrenzende Flächen schützt oder das Holz vorbewittert.
- Bei richtiger Planung überwiegen die Vorteile von Robinienholz deutlich gegenüber den Herausforderungen der Gerbstoffauswaschung

Die in diesem Beitrag enthaltenen Informationen wurden von Marc Oelker, Co-Geschäftsleiter der SIK-Holzgestaltung GmbH, zur Verfügung gestellt.
Als Diplom-Holzwirt (Universität Hamburg, Abschluss 2001) und ausgebildeter Tischler (Tischlerei Brachvogel, Ausbildung 1992–1995) verfügt Marc Oelker über langjährige Erfahrung in der Holzverarbeitung und im nachhaltigen Holzbau. Sein Fachwissen bildet die Grundlage für viele der hier erläuterten praktischen Hinweise zu Gerbstoffen und Robinienholz.
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